Du blätterst durch deine Prüfungsunterlagen, und plötzlich stehen da diese drei Buchstaben: DAP. Gleich daneben: FCA. Und weiter unten warten schon CPT, CFR und ein paar andere Kürzel, die auf den ersten Blick wirken wie Geheimcode aus dem Logistik-Maschinenraum.
Keine Panik – hinter den Incoterms 2020 steckt kein Hexenwerk, sondern ein erstaunlich logisches System. Wenn du die Systematik einmal durchschaut hast, kommst du in der IHK-Prüfung deutlich entspannter über die Runden. Und im Tagesgeschäft deiner Spedition sowieso, denn ohne Incoterms läuft im Export schlicht nichts.
Incoterms 2020 in der Spedition – warum so wichtig?
Die Incoterms sind das Regelwerk der Internationalen Handelskammer für internationale Lieferbedingungen. Sie klären die zentralen Fragen jedes Außenhandelsgeschäfts: Wer trägt welche Kosten? Wann geht das Risiko vom Verkäufer auf den Käufer über? Und wer kümmert sich um Verpackung, Versicherung, Zollabfertigung. In der Spedition tauchen Incoterms auf dem CMR-Frachtbrief auf, im Akkreditiv, in der Handelsrechnung. Wer sie richtig liest, weiß sofort, wer wofür geradestehen muss. Wer sie falsch deutet, holt sich früher oder später einen Anpfiff – vom Chef, vom Kunden oder, im dümmsten Fall, vom Versicherer.
Vier Gruppen, eine klare Logik – so bekommst du Ordnung in die Klauseln
Die elf Klauseln der Incoterms 2020 lassen sich in vier Gruppen einsortieren, und wenn du dir diesen roten Faden merkst, hast du schon die halbe Miete.
- Die E-Gruppe (EXW) steht ganz am Anfang der Transportkette: Der Verkäufer stellt die Ware lediglich bereit, alles Weitere wandert auf den Tisch des Käufers.
- Die F-Gruppe (FCA, FAS, FOB) geht einen Schritt weiter: Der Verkäufer übergibt die Ware an einen vom Käufer benannten Frachtführer, der Hauptlauf bleibt aber in der Hand des Käufers.
- Die C-Gruppe (CPT, CIP, CFR, CIF) ist der Klassiker für Kalkulationsaufgaben: Hier organisiert und zahlt der Verkäufer den Hauptlauf, trägt aber das Risiko nur bis zur Übergabe an den ersten Frachtführer.
- Und die D-Gruppe (DAP, DPU, DDP) bedeutet: Der Verkäufer bringt die Ware bis zum Empfangsort, inklusive Risiko und Kosten – die umfassendste Verpflichtung, die ein Verkäufer schultern kann.
Wenn du dir lieber ein Video dazu anschaust: ich stelle die Incoterms auch ausführlich auf Youtube dar:

Die 11 Klauseln der Incoterms 2020 – deine Übersicht auf einen Blick
Damit du den Überblick nicht verlierst, hier die komplette Aufstellung in der Reihenfolge, in der sie dir in der Prüfung auch begegnet:
| Gruppe | Klausel | Bedeutung | Geeignet für |
| E | EXW | Ab Werk | alle Verkehrsträger |
| F | FCA | Frei Frachtführer | alle Verkehrsträger |
| F | FAS | Frei längsseits Schiff | See-/Binnenschiff |
| F | FOB | Frei an Bord | See-/Binnenschiff |
| C | CPT | Frachtfrei | alle Verkehrsträger |
| C | CIP | Frachtfrei versichert | alle Verkehrsträger |
| C | CFR | Kosten und Fracht | See-/Binnenschiff |
| C | CIF | Kosten, Versicherung, Fracht | See-/Binnenschiff |
| D | DAP | Geliefert benannter Ort | alle Verkehrsträger |
| D | DPU | Geliefert entladen | alle Verkehrsträger |
| D | DDP | Geliefert verzollt | alle Verkehrsträger |
Vier der elf Klauseln sind ausschließlich für die Seeschifffahrt gedacht – FAS, FOB, CFR und CIF. Die restlichen sieben kannst du für alle Verkehrsträger einsetzen. Das ist wichtig, wenn du in der Prüfung eine Klausel für einen Lkw-Transport auswählen sollst: FOB scheidet dann kategorisch aus, egal wie vertraut der Begriff daherkommt.
Das musst du dir merken: Je näher die Klausel am Buchstaben D steht, desto mehr Last schultert der Verkäufer. EXW am einen Ende – der Käufer packt alles an. DDP am anderen Ende – der Verkäufer liefert bis vor die Tür, verzollt, alles inklusive. Die Gruppen E, F, C und D sind also nichts anderes als ein Schieberegler für Verantwortung.
FCA und DAP – deine Dauerbegleiter im Spedi-Alltag
Keine anderen Klauseln begegnen dir in der Spedition so oft wie FCA und DAP. Die FCA Incoterms 2020 (Free Carrier) sind seit der Reform 2020 noch flexibler geworden, weil der Verkäufer die Ware wahlweise in seinen eigenen Räumen oder an einem benannten Ort übergeben kann – ein Glücksgriff für Exporteure, die mit Akkreditiven arbeiten und einen On-Board-Vermerk brauchen. Gefahr und Kosten gehen in dem Moment über, in dem du die Ware dem Frachtführer des Käufers übergibst. Alles, was danach passiert – Hauptlauf, Versicherung, Zollformalitäten im Empfangsland – geht den Verkäufer nichts mehr an. FCA ist damit so etwas wie das Arbeitspferd der modernen Exportabwicklung.
Anders gelagert ist DAP (Delivered at Place). Die DAP Incoterms 2020 verpflichten den Verkäufer, die Ware auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko bis zum vereinbarten Ort im Land des Käufers zu bringen – nur die Entladung und die Einfuhrverzollung bleiben Sache des Käufers. Für viele Exporteure klingt das nach Kundenservice vom Feinsten, birgt aber Tücken: Bleibt der Lkw am Zoll stehen, trägt der Verkäufer den Stillstand. Verzögert sich die Einfuhr, wird es schnell ungemütlich. DAP ist bequem für den Käufer – und ein kleines Wagnis für den Verkäufer, das in der Kalkulation mitgedacht werden will.
Gefahrenübergang ist nicht gleich Kostenübergang – der Klassiker unter den Stolperfallen
Wenn die Prüfungskommission Incoterms abfragt, zielt sie fast immer auf genau diesen Punkt. Bei den C-Klauseln – CPT, CIP, CFR, CIF – fallen Kosten- und Gefahrenübergang nämlich auseinander. Der Verkäufer organisiert und bezahlt den Hauptlauf bis zum Bestimmungsort, aber das Risiko geht schon viel früher über: nämlich mit der Übergabe an den ersten Frachtführer im Abgangsland. Wer das verwechselt, baut sich selbst eine Fehlerquelle ein, die in der Klausur gnadenlos bestraft wird.
Merke: Bei C-Klauseln wandert das Geld weiter mit der Ware, das Risiko bleibt gedanklich am Startpunkt stehen.
Tipp für deine Prüfungsvorbereitung: Leg dir elf Karteikarten an – eine pro Klausel. Vorderseite: das Kürzel plus der Verkehrsträger. Rückseite: Kosten- und Gefahrenübergang in je einer Zeile. Wenn du den Stapel dreimal pro Woche durchgehst, sitzt die Systematik nach zwei Wochen. Karteikarten sind altmodisch, aber sie schlagen jede App – weil du beim Schreiben schon mitlernst.
Musteraufgabe 1: CFR oder CPT – worin liegt der Unterschied?
Ein Klassiker aus den IHK-Prüfungsfragen – und genau die Sorte Aufgabe, die du mit klarem Systemverständnis in 30 Sekunden vom Tisch hast:
Aufgabe: Erläutere den Unterschied zwischen den Incoterms-Klauseln CFR und CPT hinsichtlich Kosten- und Gefahrenübergang.
Lösung:
| CFR | CPT | |
| Verkehrsträger | See-/Binnenschiff | alle Verkehrsträger |
| Kostenübergang | bei Ankunft des Schiffes im Bestimmungshafen | bei Ankunft des Beförderungsmittels am benannten Bestimmungsort |
| Gefahrenübergang | nach erfolgter Beladung auf das Schiff im Abgangshafen | bei Übergabe der Güter an den ersten Frachtführer |
Beide Klauseln gehören zur C-Gruppe, also zum Typ „Kosten weiter, Risiko früh über“. Der Unterschied liegt im Verkehrsträger: CFR ist eine reine Seeverkehrsklausel, CPT passt für jeden Transportmodus – Lkw, Flugzeug, Bahn, multimodal.

Musteraufgabe 2: Kosten- und Gefahrenübergang bei DAP
Aufgabe: Ein deutscher Exporteur verkauft Maschinenteile an einen Kunden in Madrid. Der Vertrag lautet „DAP Madrid, Warenannahmestelle Firma X, Incoterms 2020″. Wer trägt welche Kosten und welches Risiko, wenn die Ware auf dem Lkw-Transport in Spanien beschädigt wird?
Lösung: Bei DAP bleibt das Risiko beim Verkäufer bis zum benannten Ort im Bestimmungsland – also bis zur Warenannahmestelle in Madrid. Tritt der Schaden unterwegs in Spanien auf, steht der deutsche Exporteur in der Haftung. Auch die Transportkosten bis Madrid schultert er. Erst die Entladung vor Ort und die Einfuhrverzollung gehen zulasten des spanischen Käufers. Die praktische Konsequenz: Ohne ordentliche Transportversicherung ist DAP für den Verkäufer ein kleines Vabanquespiel.
Auf einen Blick – und wie du dich jetzt konkret vorbereitest
Incoterms 2020 einfach erklärt heißt im Kern: vier Gruppen, elf Klauseln, eine saubere Trennung zwischen Kosten und Risiko. Wenn du dir diese drei Koordinaten einprägst, kannst du jede Prüfungsaufgabe zu Incoterms logisch auseinandernehmen – ohne jedes Detail stur auswendig zu lernen.
Für den tieferen Einstieg lohnt sich unser Workshop Incoterms 2020, in dem wir uns alle elf Klauseln Stück für Stück anschauen, inklusive der Änderungen gegenüber den Incoterms 2010 und der Auswirkungen auf die Zollwertberechnung. Ergänzend empfehle ich dir unser Video zu den Incoterms 2020 auf YouTube – in rund 15 Minuten hast du das Wesentliche kompakt im Kopf.
Und wenn die Abschlussprüfung Spedition und Logistikdienstleistung am Horizont auftaucht, ist LOQfusion der passende Onlinekurs: An 15 Abendterminen gehen wir alle drei Prüfungsfächer durch – Leistungserstellung, Rewe und Wiso – mit genau den Prüfungsaufgaben, die dir in der IHK wirklich begegnen. So gehst du nicht nur mit Systemverständnis, sondern auch mit echter Prüfungsroutine in die Klausur.