Im Kaufvertrag steht „DAP Chengdu“, im nächsten Auftrag plötzlich „DPU Chengdu“ — und du fragst dich, ob dieser eine Buchstabe wirklich etwas ändert. Ändert er. Genauer: Er entscheidet darüber, wer die Entladung am Bestimmungsort bezahlt und wer den Kopf hinhält, wenn dabei etwas zu Bruch geht. In der IHK-Prüfung gehören die beiden Incoterms-Klauseln DAP und DPU zum festen Repertoire, im internationalen Tagesgeschäft begegnen sie dir laufend. Die gute Nachricht: Wer die Logik einmal durchschaut hat, bringt die beiden nie wieder durcheinander.

Erst anschauen, dann vertiefen: das Video zu DAP und DPU

Maria erklärt die beiden Klauseln im Video an einer Skizze — mit demselben Beispiel, das dich auch durch diesen Artikel begleitet: ein Verkäufer in Köln, ein Käufer in Chengdu. Schau es dir vorab an oder nutze es nach dem Lesen zur Wiederholung; der doppelte Durchgang festigt den Stoff besser als stures Auswendiglernen.

Wo DAP und DPU im Incoterms-System zu Hause sind

Die Incoterms 2020 umfassen elf Klauseln, und alle regeln dasselbe Grundgerüst: den Kosten- und Gefahrenübergang vom Verkäufer auf den Käufer sowie sämtliche Verpflichtungen der Vertragspartner. DAP und DPU gehören zur D-Gruppe, den Ankunftsklauseln — hier braucht der Verkäufer den langen Atem, denn er trägt Kosten und Gefahr über die gesamte Strecke bis zum benannten Bestimmungsort. Genau deshalb steht hinter beiden Kürzeln immer eine Ortsangabe: „DAP Chengdu“, „DPU Hamburg“. Ohne den benannten Ort hängt die Klausel buchstäblich in der Luft, weil niemand weiß, bis wohin der Verkäufer eigentlich liefern soll.

Tipp: Einen Rundgang durch alle elf Klauseln findest du im Beitrag Incoterms 2020 einfach erklärt — hier nehmen wir uns die beiden D-Geschwister im Detail vor.

Einpunktklausel heißt: Kosten und Gefahr wechseln am selben Punkt

DAP und DPU sind Einpunktklauseln — und dieser Begriff ist weniger sperrig, als er klingt. Er besagt schlicht, dass Kosten und Gefahr am selben Punkt vom Verkäufer auf den Käufer übergehen; du musst dir also nur eine einzige Stelle auf der Transportstrecke merken. Das Gegenstück sind die Zweipunktklauseln, und davon gibt es im gesamten Katalog genau vier: CFR, CIF, CPT und CIP. Bei ihnen geht die Gefahr bereits mit der Verladung auf das Schiff, genauer: mit der Übergabe an den ersten Frachtführer auf den Käufer über, während der Verkäufer die Kosten noch bis zum Bestimmungshafen oder Bestimmungsort schultert — Gefahr und Kosten wechseln also an zwei verschiedenen Stellen, was in Prüfungsaufgaben regelmäßig für Stolperer sorgt. Alle übrigen sieben Klauseln, DAP und DPU eingeschlossen, machen es dir da deutlich leichter.

Das musst du dir merken: Einpunktklausel bedeutet: Kosten- und Gefahrenübergang liegen am selben Punkt. Die einzigen Zweipunktklauseln der Incoterms 2020 sind die vier C-Klauseln CFR, CIF, CPT und CIP — alle anderen sieben Klauseln, darunter DAP und DPU, sind Einpunktklauseln.

DAP: Der Verkäufer liefert an, der Käufer lädt ab

DAP steht für Delivered At Place — auf Deutsch: geliefert benannter Bestimmungsort. Nehmen wir das Beispiel aus dem Video: Ein Maschinenbauer in Köln verkauft eine Anlage an einen Kunden in Chengdu, vereinbart ist „DAP Chengdu“. Der Kölner Verkäufer organisiert und bezahlt den kompletten Transport bis nach China und trägt bis dorthin auch die Gefahr. Geliefert ist die Ware in dem Moment, in dem sie am Bestimmungsort auf dem ankommenden Beförderungsmittel zur Entladung bereitsteht — der Lkw steht also an der Rampe in Chengdu, die Ladung ist noch unberührt. Ab hier ist der Käufer am Zug: Er trägt die Kosten der Entladung und ebenso das Risiko; kippt beim Abladen eine Kiste vom Stapler, geht der Schaden auf seine Kappe.

DPU: Das U macht die Entladung zur Verkäufersache

Was DPU bedeutet, steckt schon im Namen: Delivered at Place Unloaded — geliefert benannter Bestimmungsort, entladen. Das angehängte U verschiebt genau einen Baustein, nämlich die Entladung, und zwar in Kosten und Risiko zum Verkäufer. Geliefert ist die Ware hier erst, wenn sie am Bestimmungsort vom Beförderungsmittel herunter ist — bis dahin bleibt der Verkäufer in der Pflicht. Damit ist DPU die einzige Klausel im gesamten Incoterms-Katalog, die den Verkäufer verpflichtet, die Ware am Bestimmungsort auch zu entladen. Und falls du eine Eselsbrücke suchst: „DPU Chengdu“ reimt sich sogar — Maria weist im Video augenzwinkernd darauf hin, und genau solche Kleinigkeiten bleiben hängen.

Vom Terminal zum freien Bestimmungsort: DPU löste DAT ab

Wenn dir in älteren Unterlagen die Klausel DAT begegnet, bist du keinem Fehler auf der Spur, sondern der Vorgängerin: Delivered At Terminal hieß die Regel in den Incoterms 2010. Mit der Fassung 2020 wurde sie in DPU umbenannt — und zugleich vom Terminal-Zwang befreit. Der Bestimmungsort muss seither kein Terminal mehr sein; infrage kommt jeder Ort, an dem sich die Entladung praktisch bewerkstelligen lässt, vom Lager des Käufers bis zum Messegelände. Für die Prüfung heißt das: DAT und DPU folgen demselben Prinzip, geändert haben sich nur der Name und der zulässige Ort. Wer mit Lernzetteln aus zweiter Hand arbeitet, sollte diese Umbenennung auf dem Schirm haben.

DAP und DPU im direkten Vergleich

Damit du beide Klauseln nebeneinanderlegen kannst, hier alles Wesentliche auf einen Blick. Achte besonders auf die unteren Zeilen — sie sorgen für die meisten Verwechslungen. Bis zur Ankunft am Bestimmungsort laufen beide Klauseln nämlich völlig gleich; erst beim Entladen trennen sich die Wege.

DAP DPU
Langform Delivered At Place Delivered at Place Unloaded
Deutsche Bedeutung geliefert benannter Bestimmungsort geliefert benannter Bestimmungsort, entladen
Lieferpunkt Ware steht auf dem ankommenden Beförderungsmittel zur Entladung bereit Ware ist am Bestimmungsort entladen
Kosten der Entladung Käufer Verkäufer
Risiko der Entladung Käufer Verkäufer
Ausfuhrverzollung Verkäufer Verkäufer
Einfuhrverzollung Käufer Käufer

Die Prüfungsfalle: „geliefert“ heißt nicht „verzollt“

So unterschiedlich DAP und DPU bei der Entladung sind — bei der Verzollung ziehen sie an einem Strang. Der Verkäufer kümmert sich bei beiden Klauseln um die Ausfuhrabfertigung in seinem Land; die Einfuhrverzollung im Empfangsland, samt Zöllen und Einfuhrumsatzsteuer, bleibt dagegen Sache des Käufers. Das „Delivered“ klingt nach Rundum-sorglos-Paket, meint aber nur Transport und — bei DPU — die Entladung, nicht die Abfertigung an der Grenze des Empfangslands. Wer dem Verkäufer auch die Einfuhrverzollung aufbürden will, braucht die dritte Klausel der D-Gruppe: DDP. In Prüfungsaufgaben wird genau diese Grenze gern abgeklopft, also lass dich vom Wort „geliefert“ nicht aufs Glatteis führen.

Wann DAP, wann DPU? Eine Frage der Möglichkeiten vor Ort

In der Praxis entscheidet weniger das Wollen als das Können. DPU sollte ein Verkäufer nur zusagen, wenn er die Entladung am Bestimmungsort tatsächlich stemmen kann — mit eigenem Personal, gebuchtem Gerät oder einem verlässlichen Partner vor Ort; wer in Chengdu weder Stapler noch Ansprechpartner hat, verspricht mit DPU etwas, das er gar nicht in der Hand hat. Typische DPU-Konstellationen sind deshalb:

  • die Anlieferung an ein Terminal oder Lager, bei der der Umschlag gleich mitorganisiert wird,
  • Messegelände oder Baustellen, auf denen der Empfänger kein eigenes Entladegerät vorhält,
  • schwere oder sperrige Güter, deren Entladung Spezialgerät verlangt, das ohnehin der Verkäufer stellt.

DAP bleibt der Regelfall, wenn der Käufer über Rampe, Stapler und eingespielte Abläufe verfügt — eine Entladung durch den Verkäufer wäre dann nur ein zusätzlicher Posten ohne echten Nutzen. Und wie man sich gegen Schäden auf dem Transportweg absichert, liest du im Beitrag zur Transportversicherung.

Tipp für deine Prüfungsvorbereitung: Taucht in einer Aufgabe ein Schaden „beim Entladen“ auf, prüfe als Allererstes die vereinbarte Klausel. Bei DAP trägt der Käufer Kosten und Risiko der Entladung, bei DPU der Verkäufer — diese eine Weiche entscheidet in solchen Aufgaben fast immer über die richtige Antwort. Als Gedächtnisstütze: Das U in DPU steht für „unloaded“ — entladen.

Musteraufgabe 1 — Einpunkt- und Zweipunktklauseln unterscheiden

Aufgabe: Welche Klauseln der Incoterms 2020 gehören zu den Zweipunktklauseln — und worin unterscheiden sie sich von Einpunktklauseln wie DAP und DPU?

Lösung: Zu den Zweipunktklauseln gehören CFR/CIF und CPT/CIP. Bei ihnen fallen Kosten- und Gefahrenübergang auseinander: Die Gefahr geht bereits mit der Verladung auf das Schiff beziehungsweise mit der Übergabe an den ersten Frachtführer auf den Käufer über, die Kosten trägt der Verkäufer dagegen bis zum Bestimmungshafen beziehungsweise zum benannten Bestimmungsort. Bei Einpunktklauseln wie DAP und DPU wechseln Kosten und Gefahr am selben Punkt — dem benannten Bestimmungsort.

Musteraufgabe 2 — Welche Regelungen enthalten die Incoterms 2020?

Aufgabe: Welche Regelungen enthalten die Incoterms 2020?

Lösung: Die Incoterms 2020 regeln den Kosten- und Gefahrenübergang vom Verkäufer auf den Käufer sowie sämtliche Verpflichtungen der Vertragspartner — bei DAP und DPU zum Beispiel die Frage, wer die Entladung am Bestimmungsort übernimmt und wer die Einfuhrverzollung erledigt.

Musteraufgabe 3 — Schaden beim Entladen: DAP oder DPU?

Aufgabe: Ein Maschinenbauer aus Köln liefert eine Anlage an einen Kunden in Chengdu (China); vereinbart ist die Klausel DAP Chengdu. Beim Entladen am Bestimmungsort rutscht eine Kiste von den Gabeln des Staplers und wird beschädigt. Wer trägt den Schaden — und wie wäre die Lage bei DPU Chengdu?

Lösung: Bei DAP Chengdu ist die Ware geliefert, sobald sie am Bestimmungsort auf dem ankommenden Beförderungsmittel zur Entladung bereitsteht. Die Entladung liegt in Kosten und Risiko beim Käufer — den Schaden an der Kiste trägt also er. Wäre DPU Chengdu vereinbart, gehörte die Entladung zur Lieferpflicht des Verkäufers: Er trüge Kosten und Risiko des Entladevorgangs, und der Schaden ginge zu seinen Lasten.

Auf einen Blick — und wie es weitergeht

Ein Buchstabe, zwei klare Rollenverteilungen: DAP liefert bis zum Bestimmungsort auf dem Beförderungsmittel, DPU liefert zusätzlich entladen — und bei beiden Einpunktklauseln bleibt die Einfuhrverzollung beim Käufer. Wer Lieferpunkt, Entladung und Verzollung sauber auseinanderhält, hat in der Prüfung leichtes Spiel.

Wie die vereinbarte Klausel anschließend im Transport gelebt wird, zeigt dir der Beitrag zum CMR-Frachtbrief — dort geht es um das Dokument, das den grenzüberschreitenden Lkw-Transport begleitet. Wenn dein Ausbildungsbetrieb das Thema fürs ganze Team vertiefen möchte, gibt es dafür den Workshop Incoterms 2020.

Und wenn die Abschlussprüfung näher rückt, trainierst du in LOQfusion alle drei Prüfungsfächer im Online-Abendkurs — mit den typischen Aufgaben, die dir in der IHK begegnen.

Good luck!