Du sitzt über einer Luftfracht-Aufgabe, die Gewichtsstufen hast du längst im Griff – und dann tauchen im TACT-Auszug unter M, N, 45, 100 und 300 noch drei grün markierte Zeilen auf: /C, /8 mit 1000 und /8 mit 2000. Falls du davor gerade stehst wie der Ochs vorm Berg, bist du in bester Gesellschaft, denn an genau dieser Stelle stocken in meinen Kursen viele. Dahinter stecken die ULD-Raten, also die Preise für Container und Paletten im Luftverkehr. Ihre Logik passt auf einen Bierdeckel: eine Mindestfracht, ein Kilosatz für alles darüber und eine Handvoll Verbote. Wer das einmal sortiert hat, rechnet einen Container in der Prüfung in ein paar Minuten aus.
Im Video rechne ich mit dir zwei Container durch – einen mit 1.500 kg und einen mit 2.100 kg – und zeige dir, welche Zeile im TACT-Auszug du jeweils brauchst. Rechne am besten gleich mit, bevor du dir die Lösung anhörst.
ULD: Container und Paletten mit IATA-Stempel
ULD steht für Unit Load Device, auf Deutsch Ladeeinheit. Gemeint sind die Container und Paletten, mit denen Fracht ins Flugzeug kommt: Container, deren Form sich an die Rundung des Rumpfes anschmiegt, und flache Paletten, auf denen die Ware gestapelt und mit Netzen gesichert wird. Für die ULD-Raten zählt allerdings nur, was die IATA genormt hat, weshalb du einen Seecontainer nicht über diese Raten abrechnen kannst – da hilft auch kein gutes Zureden. In der Praxis bündelt der Spediteur in einer solchen Ladeeinheit oft viele kleine Sendungen zu einer Sammelladung, baut sie selbst auf und übergibt sie der Airline fertig zum Verladen. Abgerechnet wird dann die ganze Ladeeinheit auf einen Schlag, und genau dafür gibt es die ULD-Raten.
So liest du den TACT-Auszug – Zeile für Zeile
Die ULD-Raten stehen wie alle anderen Luftfrachtraten im TACT, kurz für The Air Cargo Tariff, dem Tarifwerk der IATA. Er besteht aus den TACT Rules und den Ratenbänden für Nordamerika und für den Rest der Welt – eine Frage, die in der Prüfung übrigens gern auftaucht. In der Aufgabe bekommst du davon nur einen schmalen Auszug, in unserem Beispiel für die Strecke Köln–Adelaide in Euro. Lass dich von der Zahlenkolonne nicht ins Bockshorn jagen, denn für eine ULD-Rechnung brauchst du am Ende nur drei Werte daraus.
| TACT-Zeile | Betrag in EUR | Was dahintersteckt |
| M | 84,36 | Mindestfracht für lose Sendungen |
| N | 15,74 | Normalrate je kg für Sendungen unter 45 kg |
| 45 | 11,37 | Kilosatz ab 45 kg |
| 100 | 7,32 | Kilosatz ab 100 kg |
| 300 | 6,17 | Kilosatz ab 300 kg, im Auszug der günstigste Satz für lose Fracht |
| /C | 4,47 | Kilosatz für das Gewicht über dem Mindestgewicht der Ladeeinheit |
| /8 – 2000 | 9.709,00 | Ladeeinheit mit 2.000 kg Mindestgewicht, Mindestfracht 9.709 € |
| /8 – 1000 | 4.854,00 | Ladeeinheit mit 1.000 kg Mindestgewicht, Mindestfracht 4.854 € |
Die ersten fünf Zeilen gelten für lose Fracht: die Mindestfracht M, die Normalrate N und die Gewichtsstufen, bei denen der Kilopreis mit steigendem Gewicht sinkt. Spannend wird es ab /C, denn dahinter steht der Kilosatz fürs Mehrgewicht, auf Englisch Over Pivot Rate, während die /8-Zeilen das Mindestgewicht der Ladeeinheit (Pivot Weight) und rechts daneben die Mindestfracht dafür (Pivot Charge) zeigen. Unser Auszug enthält zwei solche Zeilen, eine für eine Ladeeinheit mit 1.000 kg und eine für eine größere mit 2.000 kg Mindestgewicht. Welche Zeile du nimmst, entscheidet die gebuchte Ladeeinheit, weil das Mindestgewicht immer an der Art der ULD hängt. Gemach – das Gewicht deiner Sendung kommt erst im nächsten Schritt ins Spiel.

Rechnen in drei Schritten: Mindestfracht plus Mehrgewicht
Die eigentliche Rechnung ist schnell erledigt, solange du die Reihenfolge einhältst:
- Ladeeinheit bestimmen und in ihrer Zeile Mindestgewicht und Mindestfracht ablesen.
- Mehrgewicht ermitteln: tatsächliches Gewicht minus Mindestgewicht.
- Mehrgewicht mit der /C-Rate multiplizieren und das Ergebnis zur Mindestfracht addieren.
Nehmen wir den ersten Container aus dem Video, eine Ladeeinheit mit 1.000 kg Mindestgewicht, beladen mit 1.500 kg.
Die Mindestfracht von 4.854 € deckt die ersten 1.000 kg ab, für die übrigen 500 kg rechnest du 500 kg × 4,47 € = 2.235 €, zusammen also 7.089 €.
Der zweite Container ist die größere Ladeeinheit mit 2.000 kg Mindestgewicht, beladen mit 2.100 kg: 9.709 € plus 100 kg × 4,47 € (= 447 €) ergibt 10.156 €.
Die Zeile suchst du dabei immer über die gebuchte Ladeeinheit aus, das Gewicht entscheidet nur über das Mehrgewicht. Würdest du sie nach dem Gewicht wählen, käme ein Container mit 2.000 kg sogar teurer als einer mit 1.999 kg (9.709 € statt 9.319,53 €). Und wenn der kleine Container nur 800 kg wiegt? Dann zahlst du trotzdem die volle Mindestfracht von 4.854 €, denn die Airline berechnet mindestens das Mindestgewicht der Ladeeinheit – ob du sie randvoll packst oder halb leer losschickst, ist ihr einerlei.
Warum das Volumengewicht hier nicht ins Gewicht fällt
Bei loser Luftfracht vergleichst du immer Bruttogewicht und Volumengewicht und rechnest mit dem höheren Wert – wie das funktioniert, erkläre ich dir im Beitrag Volumengewicht berechnen. Bei den ULD-Raten kannst du dir diesen Schritt schenken, hier geht es ausschließlich um das Gewicht. Das leuchtet ein, wenn du dir überlegst, was du eigentlich buchst: die komplette Ladeeinheit, deren Platz dir ohnehin allein gehört, ganz gleich, ob darin Federkissen oder Maschinenteile stecken. Tauchen in einer ULD-Aufgabe trotzdem Maße auf, brauchst du sie höchstens für den Vergleich mit loser Fracht. Für die ULD-Rate selbst lässt du sie links liegen.
Finger weg von der /C-Rate bei loser Fracht
Ein Blick in den Auszug lädt zum Schummeln ein: 4,47 € je kg hinter /C, aber 6,17 € je kg für lose Fracht ab 300 kg. Die Versuchung, eine lose Sendung einfach mit dem günstigeren Satz abzurechnen, kenne ich aus jedem Kurs, doch da kennen Prüfer kein Pardon, denn die /C-Rate darfst du ausschließlich in Verbindung mit einem ULD-Transport verwenden. Wie viel der Unterschied ausmacht, zeigt ein Vergleich mit 1.500 kg: Lose kosten sie auf dieser Strecke 1.500 kg × 6,17 € = 9.255 €, sofern das Volumengewicht nicht höher liegt, im Container mit 1.000 kg Mindestgewicht dagegen 7.089 €. Dieser Abstand erklärt, warum Spediteure ihre Sammelladungen gern in eigene Ladeeinheiten packen. Außerdem gibt es Fälle, in denen ULD-Raten von vornherein tabu sind:
- Gefahrgut: Gefährliche Güter rechnest du nicht über Container- oder Palettenraten ab.
- Güter mit Warenklassenraten: Was über Auf- oder Abschläge auf die Normalrate läuft, etwa lebende Tiere, Wertfracht oder Zeitungen, bleibt bei seiner Warenklassenrate.
- Fracht ohne Ladeeinheit: Ohne ULD gibt es keine /C-Rate, auch wenn die Sendung noch so groß ist.
- Ladeeinheiten ohne IATA-Norm: Ein Seecontainer bleibt draußen.
Stolperfalle: Das C im TACT ist nicht das C im AWB
Ein einzelner Buchstabe sorgt in der Prüfung regelmäßig für Kuddelmuddel. Im TACT-Auszug steht die Rate fürs Mehrgewicht hinter /C, deshalb spreche ich im Video auch von der C-Rate. Im Luftfrachtbrief bedeutet die Ratenklasse C dagegen etwas ganz anderes, nämlich die Spezialrate für bestimmte Waren zwischen zwei Flughäfen. Trägst du eine ULD-Sendung in den AWB ein, nutzt du U für die Mindestfracht der Ladeeinheit und E für das Mehrgewicht – wie der Luftfrachtbrief insgesamt aufgebaut ist, liest du im Beitrag AWB – Der Luftfrachtbrief. Als Eselsbrücke reicht ein Satz: Im TACT liest du /C, im AWB schreibst du E.

Auf einen Blick: lose Fracht oder ULD-Rate?
Das musst du dir merken: ULD-Fracht = Mindestfracht der Ladeeinheit + (tatsächliches Gewicht − Mindestgewicht) × /C-Rate. Welche ULD-Zeile gilt, bestimmt die gebuchte Ladeeinheit. Liegt das Gewicht unter dem Mindestgewicht, zahlst du die volle Mindestfracht. Es zählt nur das Gewicht, das Volumengewicht spielt keine Rolle. Und die /C-Rate gilt nur für Fracht in einer IATA-genormten Ladeeinheit, nie für lose Fracht, Gefahrgut oder Güter mit Warenklassenraten.
| Merkmal | Lose Fracht | ULD-Rate |
| Berechnungsgewicht | höherer Wert aus Brutto- und Volumengewicht | nur das tatsächliche Gewicht |
| Preisbildung | Kilosatz der passenden Gewichtsstufe | Mindestfracht der Ladeeinheit plus /C-Rate je Kilo Mehrgewicht |
| Untergrenze | Mindestfracht M | Mindestfracht für das Mindestgewicht der Ladeeinheit |
| Zeilen im TACT-Auszug | M, N, 45, 100, 300 | /C und /8 |
| Ratenklasse im AWB | M, N, Q | U und E |
Musteraufgaben: Jetzt rechnest du
Für alle drei Aufgaben gilt der TACT-Auszug Köln–Adelaide von oben.
Aufgabe 1:
Eine Spedition schickt eine Sammelladung von Köln nach Adelaide in der Ladeeinheit mit 1.000 kg Mindestgewicht.
a) Wie hoch ist die Fracht bei einem Ladungsgewicht von 1.380 kg?
b) Was kostet dieselbe Ladeeinheit, wenn nur 760 kg darin stecken?
Lösung: a) Die Mindestfracht von 4.854,00 € deckt die ersten 1.000 kg ab. Für das Mehrgewicht von 380 kg kommen 380 kg × 4,47 € = 1.698,60 € dazu, die Fracht beträgt also 6.552,60 €. b) 760 kg liegen unter dem Mindestgewicht, deshalb fällt die volle Mindestfracht von 4.854,00 € an.
Aufgabe 2:
Dein Kollege will zwei Sendungen nach Adelaide abrechnen: eine lose Sendung mit 1.200 kg und eine IATA-genormte Palette mit Gefahrgut. Für beide möchte er die /C-Rate von 4,47 € je kg ansetzen, weil sie günstiger ist als 6,17 €. Was sagst du ihm?
Lösung: Beides ist nicht zulässig. Die /C-Rate gilt nur in Verbindung mit einem ULD-Transport, für die lose Sendung nimmst du den Satz der passenden Gewichtsstufe, hier 6,17 € ab 300 kg: 1.200 kg × 6,17 € = 7.404,00 €, sofern das Volumengewicht nicht höher liegt. Gefahrgut darfst du grundsätzlich nicht über ULD-Raten abrechnen, auch wenn es auf einer genormten Palette reist.
Aufgabe 3:
In der Luftfracht gibt es Spezial- und Warenklassenraten. Worin unterscheiden sie sich?
Lösung: Spezialraten sind stark ermäßigte Raten zwischen zwei Flughäfen für bestimmte Waren und Warengruppen. Warenklassenraten sind Auf- bzw. Abschläge für typische Luftfrachtgüter und werden in der Regel von der Normalrate gebildet. Für das Thema ULD wichtig: Güter, die nach Warenklassenraten abgerechnet werden, laufen nicht über ULD-Raten.
Mein Tipp für den Prüfungstag
Markier dir im TACT-Auszug als Erstes die ULD-Zeilen und notier daneben, welche Ladeeinheit in der Aufgabe gebucht ist. Danach prüfst du kurz, ob Gefahrgut oder eine Warenklassenrate im Spiel ist, denn dann ist die ULD-Rate ohnehin vom Tisch und du sparst dir jede weitere Rechnung. Erst wenn beides geklärt ist, rechnest du: Mindestfracht, dann Mehrgewicht mal /C-Rate. Wer sich diese Reihenfolge angewöhnt, umschifft die typischen Fallen, bevor er den Taschenrechner überhaupt anwirft. Wenn deine Abschlussprüfung näher rückt und solche Rechnungen bis dahin sitzen sollen, schau dir LOQfusion an. Im Onlinekurs trainierst du alle drei Prüfungsfächer mit den Aufgabentypen, die dir in der IHK begegnen.
Good luck!
